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UW, JL, HV,
01.10.2019

Offene Distriktversammlung zum Thema "Welche Verkehrspolitik braucht Groß Borstel?"

Die Distriktversammlung der SPD Groß Borstel am 17.09.2019 zum Thema Verkehr und Groß Borstel fand im Vereinshaus in der Sportanlage am Brödermannsweg statt. Da es sich um eine offene Versammlung handelte, hatten sich neben zahlreichen Parteimitgliedern auch eine Reihe interessierter Bürger eingefunden. Mit Dorothee Martin, Bürgerschaftsabgeordnete und Fraktionssprecherin für Verkehr sowie Johannes Schaumberg und Lukas Ritz vom Flughafen Hamburg, zuständig für politische Kommunikation, waren kompetente Referenten anwesend. Weiterhin gehörte Jörg Lewin, unser Mitglied der SPD-Fraktion im Regionalausschuss Fuhlsbüttel-Ohlsdorf-Langenhorn-Alsterdorf-Groß Borstel, zu den fachkundigen Beteiligten.

Nach einer Vorstellungsrunde berichtete Dorothee Martin zunächst über Gespräche, die sie in jüngster Zeit mit verschiedenen Interessengruppen, u.a. dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC), dem Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC) und dem Hamburger Verkehrsverbund (HVV), geführt hat, also mit Organisationen, die durchaus unterschiedliche Ziele in ihrer Verkehrspolitik verfolgen. Verkehrspolitik ist natürlich auch ein wichtiger Aspekt in der Klimapolitik, so Martin. Das Ziel der SPD sei es, durch verbesserte Maßnahmen sowohl in der Infrastruktur als auch durch Preisentlastungen die Menschen u.a. dazu zu bewegen, statt des Autos die Verkehrsmittel des sogenannten Umweltverbundes, d.h. den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), das Fahrrad und natürlich auch das Zu-Fuß-Gehen zu nutzen. Daneben wurde erörtert, wie die enorme (Lärm-)Belastung durch den Flugverkehr gerade auch in Groß Borstel verringert werden kann. Von Seiten der Besucher der Veranstaltung wurde gefordert, dass dieser Aspekt von den politisch Verantwortlichen namentlich von den Mitgliedern der Bürgerschaft noch stärker in den Fokus genommen werden müsse.

Folgende Probleme mit Bezug zu Groß Borstel wurden von den Teilnehmenden vorgebracht:

  • Überlastung der Borsteler Chaussee und einiger Nebenstraßen durch den Kraftverkehrsdurchgangsverkehr
  • vor allem auf der Borsteler Chaussee miserable Fahrradwege
  • Parkplatzbesetzungen an zahlreichen Wohnstraßen durch Pendler und Flugreisende mit steigender Tendenz durch die Ausweitung der Bewohnerparkzonen in Fuhlsbüttel und Ohlsdorf.

Des Weiteren wurde kritisiert, dass in einigen Straßen, z. B. in der Köppenstraße und im Brödermannsweg (auch direkt vor der Schule) die dort noch vorhandenen Radwege nicht zurückgebaut wurden, sondern z. T. dort mittig im Radweg Schilder aufgestellt und der ehemalige Radwegbereich zu Parkplätzen umgewidmet wurden. Selbst wenn nach diversen Unfallstatistiken gerade in Tempo-30-Zonen das Fahrradfahren auf der Fahrbahn am sichersten sein soll, ist eine derartige Maßnahme ohne Rückbau der alten Fahrradwege insbesondere für Schulkinder sehr irritierend und wohl nicht so richtig sinnvoll. Zum Fluglärm wurde die überaus starke Belastung durch immer mehr startende und landende Flugzeuge (40 pro Stunde) kritisiert sowie die mangelnde Einhaltung des Nachtflugverbots.

Johannes Schaumberg vom Flughafen Hamburg berichtete dazu von den eigenen Maßnahmen: In Sachen Lärmbelästigung sollen Abdeckungen helfen, zum Thema Feinstaub sind mehrere Forschungsprojekte initiiert worden. Dabei geht es darum, den fossilen Treibstoff durch synthetisches Kerosin und Wasserstoff zu ersetzen. Der Flughafen selbst mit seinen eigenen Fahrzeugen werde bis 2021 der erste klimaneutrale Flughafen in Deutschland sein. Bezüglich der zu späten Starts und Landungen finden fortlaufend Verhandlungen mit den Fluggesellschaften statt vor allem in Bezug auf deren „normalen“ Flugplan. Gerade, wenn im Flugplan als Abflug oder Ankunft ein „normaler“ Termin von z.B. 22.55 Uhr steht, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass „am Ende des Tages“ dieser Flug erst nach 23.00 Uhr losgeht oder ankommt. Daher habe man durch Verhandlungen mit den Fluggesellschaften erreicht, dass viele dieser „letzten“ Abflug- oder Ankunftszeiten auf 22.30 Uhr vorgelegt wurden, so dass selbst bei Verspätungen diese Flüge doch noch vor 23 Uhr abgehen oder reinkommen. Damit konnte im vergangenen Jahr die Zahl der Verspätungen, die in die Zeit nach 23 Uhr reichten, um etwa 50 % gesenkt werden. Bezüglich der Möglichkeit durch erhöhte Gebühren eine Lärmminderung zu erreichen oder Verspätungen zu verhindern, wurde darauf verwiesen, dass Gebühren für zu laute und zu abgasstarke Flugzeuge nur erhöht werden können, wenn die Stadt diese genehmigt und hierfür auch ein gesetzlicher Rahmen vorliegt. Dorothee Martin berichtete dazu, dass der bürgerschaftliche Verkehrsausschuss sich intensiv mit dem Problem beschäftige.

Am Ende der Veranstaltung fasste Dorothee Martin zusammen, was sie von diesem Abend mitnehmen werde:

  • Notwendigkeit der Umgestaltung der Borsteler Chaussee zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität
  • Minderung des Kfz-Durchgangsverkehrs verbunden mit einer deutlichen Verbesserung für den Fahrradverkehr und die Fußgänger auch durch Schaffung zumindest partieller Tempo-30-Zonen
  • bessere Fahrradwege
  • Verbesserung der Busanbindung, u.a. durch Kleinbusse (Vorbild „Blankeneser Bergziegen“) fürs Tarpenbeker Ufer
  • Reduzierung von Fluglärm, CO2- und Feinstaubbelastung durch den Flugverkehr.

Viele der genannten Problemfelder, so Martin abschließend, würden zukünftig im Rahmenprogramm Integrierte Stadtteilentwicklung (RISE) bearbeitet. Der Ortskern Groß Borstels sei, wie bekannt, vom Senat der Freien und Hansestadt als RISE-Gebiet akzeptiert worden.